Theaterprojekt St. Pauli
Auf der Bühne wachsen

Der Hamburger Stadtteil St. Pauli ist multikulti. Wer die Reeperbahn kennt, kennt auch die Diversität dieses Viertels. In der gleichnamigen Ganztagsschule werden Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichsten Ländern unterrichtet. Nur einen Steinwurf entfernt liegt auch das St. Pauli Theater, das sich zwischen den bunten Leuchtreklameschildern des Kiez als renommierte Spielstätte und Hamburgs ältestes Privattheater behauptet. Seit 2008 sind hier nun regelmäßig die Schülerinnen und Schüler der benachbarten Schule zu Gast – doch nicht nur als Zuschauer, sondern vor allem auch als Darsteller.

In einem Gemeinschaftsprojekt der Ganztagsschule St. Pauli und des St. Pauli Theaters haben die Kinder aus den 5. bis 7. Klassen die Möglichkeit, innerhalb des Schulunterrichts eine eigene Theaterproduktion zu erarbeiten und schließlich auf die Bühne zu bringen. Unter der Regie von Dania Hohmann erarbeiten die 10- bis 13‑Jährigen klassische Theaterstücke und werden auf diese Weise professionell und altersgerecht an die Darstellende Kunst und die Institution Theater herangeführt.

Das gemeinsame Ziel der Aufführungen verbindet die jungen Darsteller, so dass kulturelle Unterschiede unbedeutend werden. Durch die Behauptung auf der Bühne vor einem großen Publikum wird zudem ihr Selbstvertrauen gestärkt. Die Begeisterung am Projekt ist bei den Schülerinnen und Schülern so groß, dass mittlerweile auch ältere Jahrgangsstufen beteiligt werden. Sie helfen bei der Herstellung der Bühnenbilder, der Kostüme und des Werbekonzepts. Dadurch wird auf vielfältige Weise das Interesse am Theater geweckt und gleichzeitig werden mögliche Berufsfelder aufgezeigt.

Seit 2009 unterstützt die NORDMETALL-Stiftung dieses Theaterprojekt. Nach „Die heilige Johanna von der Davidstrasse“ nach Schiller im Jahr 2009 und der Shakespeare-Adaption „Othello in der Hafenstrasse“ 2011 kommt 2012 „Maria Stuart auf der großen Freiheit“ zur Aufführung. Die großen Klassiker behandeln Themen, die den Kindern durchaus aus ihrem eigenen Leben bekannt sind: Vorurteile, Religion, Machtstrukturen, Isolation oder materielle Werte sind auch Teil der literarischen Vorlagen. In der Inszenierung auf der Bühne lernen die Kinder besser damit umzugehen, um in möglichen realen Konfliktsituationen selbstbewusst und reflektiert zu handeln.